Heute am frühen Morgen war der Tau unter den Füßen auf der Wiese zum ersten Mal richtig kalt. Ein wahrnehmbarer Gruß: es wird wohl Herbst……Seit fast 3 Wochen mache ich jetzt in meinem jährlichen Klosterretreat ein morgendliches Ritual: nach dem (frühen) Aufstehen laufe ich vor der ersten Gebetszeit ein paar Schritte barfuß über den Klosterrasen und setzte mich dann mit einem Becher Tee auf die Parkbank. Das immer gleiche Ritual macht die Unterschiede jedes Tages umso deutlicher wahrnehmbar: geht die Sonne heute sanft gelb oder rötlich auf, wo fallen die ersten Sonnenstrahlen hin oder ist der Himmel – wie heute Morgen – trüb und verhangen? Wie kitzelt der Tau die Füße? Frisch oder kühl oder wie heute zum ersten Mal, eisig kalt? Und wie reagiere ich darauf, an diesem Tag? Bin ich frisch und wach oder noch verhangen wie der Himmel?
Leben im Kloster ist Leben im Rhythmus. Ganz bestimmend dabei ist der Tagesrhythmus aus Gebetszeiten mit Psalmengesängen, Essenszeiten, Ruhe, Arbeit und Erholungszeit am Abend. Dieser Rhythmus gibt Halt und macht zugleich auch wach. Im Gegensatz zum Alltag, in dem alles irgendwie zum großen Einheitsbrei aus pausenlosen Sinneseindrücken verschwimmt, machen mir die wiederholten Rituale im Kleinen deutlich, was sich verändert. Der Blick aus dem Fenster beim Abwaschen in den Klostergarten zeigt den Wandel in der Natur. Beim Gang zur morgendlichen “Laudes” kann ich fühlen, wie ich an genau diesem Tag gestimmt bin. Am Mittag merke, wie sich meine Stimmung in den letzten 6 Stunden verändert hat.
Das Wort Rhythmus kommt von griechisch “rheos”, das Fließen. Rhythmus ist also “Fluss des Lebens”. Rituale markieren die Punkte zum Innehalten im Lebensstrom, so dass ein Rhythmus entsteht. Der hat etwas heilsames, etwas heil machendes.
Ganz entscheidend ist auch das abendliche Ritual, den Tag abzuschließen. In der Nacht kommt alles zur Ruhe und ich darf den Tag mit allen Freuden, Erwartungen und Sorgen “abgeben”. Mich fallen lassen, auftanken. Um am nächsten Morgen wieder frisch den Tau unter den Füßen zu spüren….
Nächste Woche: Klosterrhythmen – Alltagsrhythmen. Was man von der Tagesstruktur im Kloster für den Alltag mitnehmen kann.

Parkbank

1 Kommentare

  1. 27-08-2012 von Guido

    Ist es früher Herbst oder später Sommer? Welche Perspektive auch immer wir einnehmen , die Blätter färben sich in jedem Fall. Gut, wenn unser innerlicher Rythmus mit dem der Natur übereinstimmt – oder sich daran ausrichtet. Das geht im Kloster sehr gut und auch in einer leeren Wohnung, die ich in der gleichen Zeit als Einsiedelei nutze..

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