Jetzt bin ich vom Schreiben, Korrekturlesen und Erholen wieder zurück im Alltag. Etwas an diesem Rhythmus war so erholsam, obwohl ich auch viel „geschafft“ habe. Aber wie nimmt man das mit in den Alltag?
Ein typischer Tag im Kloster hat eine Struktur aus Gebetszeiten, Essenszeiten, Arbeitszeiten und Erholungszeit:
Ich überprüfe gerade mein Leben “draußen”, welche Qualität meine Tagesrrhythmen, meine Rituale haben. Mir haben die Erklärungen der Stundengebete mit der spezifischen Energie dieser Tageszeiten viel Inspiration gegeben bei diesem Aufenthalt. (Einige Informationen habe ich von der Website von Bruder David Steindl-Rast www.gratefulness.org – „The Angel of the hour“). Heute Vormittag gebe ich mal die ersten drei Stundeneinheiten wieder, die in Klöstern traditionell begangen werden. Die Tagesenergie kann man spüren, völlig unabhängig von Glauben, Konfession oder Lebensüberzeugung.

Laudes (Morgenlob). Die Erfahrung, dass aus der Finsternis das Licht kommt – macht Freude! Daher: Zeit zu singen und sich auf den Tag einzustimmen.
„Mein Leben beginnt an jedem Morgen neu”, formulierte Edith Stein, die große Karmelitin des 20. Jhrds. Nur eines von vielen Geheimnissen, wie man im Kloster auftankt. Wenn ich mehrere Tage hintereinander nicht „froh“ aufwache, ist das ein Warn-Signal. Fast wie ein Krankheitssymptom. Die bewusste Einstellung auf „hey, ein neuer Tag“ allein hilft aber schon viel.
Die beste Zeit für Morgenlob, Yoga, Meditation und Lesungen guter Bücher ist früh, am besten gegen 06.00 Uhr (je nach Orden auch 05.30 oder 07.00 Uhr) Welches Morgengebet haben wir im Alltag? Plärrendes Radio, übermotivierte Moderatoren, grausame Nachrichten? Das alles hat seine Zeit. Im Klosterrhythmus zu leben, heißt nicht, die Welt zu verleugnen. Gerade die Karmelitinnen, bei denen ich einkehre, nehmen sehr großen Anteil am politischen Geschehen, sind informiert, das hört man an den öffentlichen Fürbitten. Aber sie kommen bei sich an, ehe sie die Welt in sich reinlassen und aufnehmen.

Prime (die erste Stunde nach dem Morgenlob). Zeit an die Arbeit zu gehen. In welcher Haltung? „Ein beherzter Beginn“ schlägt Bruder David vor.
Ich habe mich dabei ertappt, dass bereits das Wort „Arbeit“ ganz merkwürdige Reaktionen auslösen kann. Automatisch kommt da zu viel Spannung auf oder automatisierte Unlust bei einzelnen Tätigkeiten. Beobachte ich die Schwestern, machen Sie alles mit viel Schwung, egal was gerade ansteht. Die „Prim“ der Auftakt ist die Feier der Aktivität. Wir können auch, schlägt Bruder David vor diese Stunde sehen wie einen Trommelwirbel in der Zirkusmanege: alles ist fertig, dass wir durch den Reifen springen! Trommelwirbel!

Terz (die dritte Stunde nach der Laudes). Gegen 9.00 Uhr. Schon wieder Zeit inne zu halten? Ja, um sich der Lebensfreude dieser Stunde bewusst zu werden. Der Tag ist in vollem Gang. Die Energie läuft. Zeit für einen Moment inne zu halten und besonders den Aspekt von Lebensatem und Liebe in dieser Lebensfreude zu spüren. Mal jemand einfach ein Lächeln schenken. Statt grimmig einfach mal gelassen auf den Fehler des Autofahrers vor mir reagieren oder auf den Fehler eines Kollegen im Büro. Einen schönen Gedanken an jemand schicken…..

Die Sext – 12.00 Uhr Mittagszeit schicke ich dann heute um 12.00 oder morgen…. Mal sehen was der Tag bringt.

Morgenstimmung_Urban_August2012 (3)

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